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SAP Add-On Lösungen



  Buchungskreisübergreifende Vorgänge

Bereits ab zwei Buchungskreisen gibt es in der Regel Geschäftsvorfälle, die übergreifender Natur sind. Beispielsweise verkauft Unternehmen A intern Leistungen an Unternehmen B. Im Konzernabschluss sind diese Innenumsätze zu eliminieren, dennoch entsteht ein latenter Abstimmungsbedarf der Einzelbilanzen, ob z.B. Forderungen von A auch in gleicher Höhe bei B als Verbindlichkeit vorhanden sind. Im Vorfeld von effektiven Abschlussarbeiten ist es zunächst sinnvoll, die übergreifenden und Intercompany-Geschäftsvorfälle zu identifizieren bzw. zu analysieren.

Bereits in SAP R/3 gibt es verschiedene Unterstützungen für die folgenden betriebswirtschaftlichen Vorgänge:

* zentraler Geldeingang
* zentrale externe Rechnung mit Leistungen für mehrere Firmen
* interne Ein- und Ausgangsrechnungen
* Abstimmung von Forderungen und Verbindlichkeiten


Abbildung 3.4 zeigt, dass automatisch bebuchte Verrechnungskonten verwendet werden, um buchungskreisübergreifende Belege zu erzeugen. Im oberen Teil der Abbildung ist zu erkennen, dass diese Verrechnungskonten nicht manuell bebuchbar sein sollten.




Zentraler Geldeingang
Der Debitor bezahlt seine Rechnungen bei den Firmen A und B direkt und komplett mit einer Überweisung an Firma A. Durch die Zusammenfassung von mehreren Rechnungen über Firmengrenzen hinweg zu einer Zahlung bzw. Überweisung sparen beide Seiten bei ihren Hausbanken Transaktionskosten ein. Die Firma A bekommt den Charakter eines zentralen Regulierers und verwaltet im Buchhaltungssystem die erhaltenen Zahlungen auf die Buchungskreise bzw. offenen Posten. Es findet eine buchungskreisübergreifende Bearbeitung der offenen Posten inklusive Ausgleich statt. Für die Intercompany-Beziehung ergibt sich eine automatische Buchung.




Abbildung 3.5 zeigt ein Buchungsschema, in dem mittels elektronischen Kontoauszugs der Geschäftsvorfallscode (GVC) interpretiert und der Verwendungszweck analysiert wird. Die in Abbildung 3.4 zuvor hinterlegten Verrechnungskonten werden automatisch vom System herangezogen, wenn die Grenzen eines Buchungskreises überschritten werden. In Abbildung 3.5 ist das der Fall, indem mehrere offene Debitorenposten im Buchungskreis A und B gefunden werden. Zur besseren Nachvollziehbarkeit klammert eine übergreifende Vorgangsnummer die buchungskreisübergreifenden Buchungen.

Zentrale externe Rechnung mit Leistungen für mehrere Firmen
Die Firmen A und B beziehen ihre Leistungen gemeinsam von einem Kreditoren. Dieser stellt basierend auf dieser zentralen Bestellung eine einheitliche Rechnung, in der Leistungen für A und B auf Positionsebene ausgewiesen sind. Die Rechnungsanschrift liegt bei A.




Abbildung 3.6 zeigt, dass die Vorsteuer beim Buchungskreis, der die Eingangsrechnung zentral empfängt, bleibt. Dort wird diese ebenfalls gemeldet, weshalb zwischen den Intercompany-Firmen eine Umsatzsteuerorganschaft (USt-Organschaft) bestehen muss.

Interne Ein- und Ausgangsrechnungen
Abbildung 3.7 zeigt mehrere Schritte eines buchungskreisübergreifenden Verkaufs, bei dem sowohl Ein- als auch Ausgangsrechnungen automatisch produziert werden.

1. Ein externer Geschäftspartner bestellt Waren beim Buchungskreis 2200 in Deutschland.

2. Da dieser die Leistung aufgrund eines Kapazitätsengpasses in Werk 2200 momentan nicht erbringen kann, wird der Auftrag vom Werk 1200 der Intercompany-Gesellschaft in Spanien erteilt. Hierbei handelt es sich um den Buchungskreis 1000, der einen Auftrag für 2200 erfüllt.

3. Der externe Geschäftspartner bekommt seine Rechnung vom Buchungskreis 2200 aus Deutschland erstellt.

4. Da sowohl der Buchungskreis 2200 in Deutschland als auch der Buchungskreis 1000 in Spanien mit SAP arbeitet, soll für den Intercompany- Fall direkt eine interne Ein- und Ausgangsrechnung produziert werden.

Länderübergreifende interne Geschäftsbeziehungen sind technisch ohne weiteres möglich, betriebswirtschaftlich jedoch vorsichtig zu behandeln. Gegenüber dem Kunden tritt der deutsche Buchungskreis 2200 als Geschäftspartner auf. Dieser kauft die Leistung bei seiner Intercompany- Gesellschaft in Spanien ein. Wie viel Deckungsbeitrag bzw. zu versteuernder Gewinn bleibt somit bei der deutschen Firma? Abbildung 3.8 zeigt ein Zahlenbeispiel, bei dem von 10000 € Erlös 9000 € von der deutschen Gesellschaft zur spanischen Gesellschaft transferiert werden.




Im Extremfall handelt es sich um einen durchlaufenden Posten, weil der Einkaufspreis in Spanien dem Verkaufspreis in Deutschland entspricht. Dann müsste man fragen, warum die deutsche Firma dieses Geschäft überhaupt abschließt. Vielleicht um einen langjährigen Kunden doch noch zufrieden stellen zu können oder um von einer niedrigeren Steuerlast in Spanien zu profitieren. Mit dem Material Ledger lassen sich Intercompany- Transferpreise und -Verkaufspreise für externe Kunden abbilden. Dies hat an Bedeutung gewonnen, da seit der Transferpreisverordnung die Beweislast umgekehrt worden ist. Jetzt müssen Sie als Unternehmen nachweisen, wie Sie Ihre Verrechnungspreise kalkuliert haben bzw. dass diese in den jeweiligen Fällen gerechtfertigt sind. In diesem Beispiel der Abbildung 3.8 bleiben 7000 € Deckungsbeitrag (87,5%) in Spanien, und 1000 € Deckungsbeitrag (12,5%) fallen in Deutschland an.




Ist dies für eine Vermittlungsleistung gerechtfertigt, oder handelt es sich hier um eine »Preisoptimierung«? Bei dieser Frage wird der Betriebsprüfer Ihres Vertrauens auf Sie zukommen. Technisch ist eine solche Intercompany- Abwicklung relativ einfach möglich.

Martin Strohmeier und Jörg Siebert  I  Quelle: SAP PRESS Buch mySAP ERP Financials"


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