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  Corporate Governance: Effektivität

Unter Effektivität ist in unserem Zusammenhang ein schnelles Abschließen der Bücher zum Stichtag zu verstehen. Grundsätzlich besteht die Maßgabe, dass Ereignisse, die nach einem Bilanzstichtag bekannt werden, nicht mehr in die Überlegungen für die Abschlusserstellung einfließen sollten.

Beispiel: Bilanz des Unternehmens A
Ein Unternehmen A ist dabei, zum Bilanzstichtag 31.12. seine Bilanz zu erstellen. Dies dauert in der Regel bis März und April des Folgejahres. Mitte April meldet der Großkunde B Insolvenz an. Diese Kenntnis liegt A am 30.04 vor. Im ersten Schritt denkt man direkt daran, die Forderungen, die zum 31.12 bestanden, auszubuchen. Nach dem HGB ist dieses jedoch verboten. Der Tatbestand hat nichts mit der Bilanz zum 31.12 zu tun. Ursache und Erkenntnis liegen jeweils im Folgejahr. Ein effektiver, zeitnaher Jahresabschluss bereits im März bringt A erst gar nicht in die Verlegenheit, über den Sachverhalt vom 30.04 nachdenken zu müssen.

Um den potenziellen Interessenkonflikt zwischen Abschlussstichtag und Erkenntnis bei der Bilanzerstellung zu minimieren, formulieren die Corporate- Governance-Richtlinien das Ziel der Effektivität, d.h. des schnellen Abschlusses, da ansonsten möglicherweise bilanzpolitische Spielräume entstehen. Im HGB ist dieses ebenfalls mit dem Wertaufhellungsprinzip verankert.

Wertaufhellung
Das Wertaufhellungsprinzip ist ein Begriff aus dem Rechnungswesen, der besagt, dass in einem Jahresabschluss auch diejenigen Risiken und Verluste zu berücksichtigen sind, die bis zur Aufstellung des Jahresabschlusses bekannt werden. Das Wertaufhellungsprinzip gehört als eines der Vorsichtsprinzipien zu den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung und ist im § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB geregelt. Danach sind alle vorhersehbaren Risiken und Verluste, die bis zum Abschlussstichtag entstanden sind, zu berücksichtigen, auch wenn das Bekanntwerden erst zwischen Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses liegt.Nehmen wir erneut das Beispiel des Unternehmens A. Hätte es bereits im Dezember Anzeichen für eine drohende Insolvenz gegeben, wäre eine Rückstellung für drohende Verluste zum 31.12. absolut gerechtfertigt.

Die wertbegründende Tatsache muss vor dem Abschlussstichtag liegen, die wertaufhellende Tatsache kann in der Zeit bis zur Aufstellung des Jahresabschlusses liegen. Mit dieser Regelung sollen die Wertverhältnisse zum Abschlussstichtag besser dargestellt werden. Nicht immer sind Geschäftsvorfälle eindeutig nachvollziehbar – ein schmaler Grad zwischen realistischer Darstellung und Bilanzpolitik.

Neben dem HGB wird auch im Bereich der International Financial Repor- ting Standards (IFRS) unterschieden, ob Ereignisse, die nach dem Abschlussstichtag eintreten, eine Auswirkung haben:

* IAS 10.8 adjusting events after the balance sheet date
* IAS 10.20 non-adjusting events


Ähnlich wie das HGB verhalten sich die IFRS. Bei einer Wertaufhellung kommt IAS 10.8 zum Einsatz, ansonsten IAS 10.20 mit Auswirkungen in den Anhangsangaben (disclosure). Egal, welche Rechnungslegungsvorschrift zum Einsatz kommt, ein schnellstmöglicher Abschluss wird im Rahmen der Corporate Governance mit dem Ziel der Effektivität angestrebt.




Martin Strohmeier und Jörg Siebert  I  Quelle: SAP PRESS Buch mySAP ERP Financials"


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