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SWIFT & SEPA aus der täglichen Praxis



Claus Wild administriert SWIFTNet, SAP PI (ehemals XI) als auch SAP FI und liefert mit seinem Blog Berichte zu SWIFT & SEPA direkt aus der Praxis für die Praxis.


Kontakt: [ webmaster@clauswild.de ]




Donnerstag, 28. Januar 2010 - 12:14 Uhr
  Zwei Jahre SEPA aus Sicht eines Corporates

Am 28. Januar 2010 sind es mittlerweile zwei Jahre, seit dem die SEPA als Synonym eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums an den Start ging. Der Erfolg daraus - oder das Ergebnis - ist genauso ernüchternd wie im Jahr zuvor. Das mit viel Aufwand vorangetriebene Vorhaben, den Zahlungsverkehr in Europa zu vereinheitlichen, hat sich bis heute nicht durchgesetzt - weder bei den Firmenkunden noch bei den Verbrauchern. Vom Grundsatz her ist bzw. war das Vorhaben durchaus sinnvoll. Europa benötigt einen Zahlungsverkehr, der sich auf einem rechtlichen und technisch einheitlichen bzw. modernen Niveau befindet. Die Wirklichkeit sieht indessen weitaus düsterer aus, als es sich die Stakeholder des EPC und der EU-Kommission sicherlich vorgestellt haben.


Langwieriger Umstellungsprozess
Im Vergleich mit der Einführung des Euros als Zahlungsmittel gestaltet sich die Umstellung auf SEPA als langwierig mit aufwendigen Prozessänderungen. Die Einführung des Euros war mit einem klaren Zeithorizont versehen. Am 1. Januar 1999 wurde der Euro als Buchgeld eingeführt; drei Jahre später wurde zum 1. Januar 2001 erstmals das Bargeld eingeführt. Diese klare Line fehlt im Zusammenhang mit der SEPA gänzlich. Im Gegenteil: Die Umstellung wird nur Häppchenweise präsentiert. Nach Einführung von SEPA Credit Transfer (SCT) Anfang 2008, folgte Ende 2009 die Einführung der neuen europäischen Lastschrift SEPA Direct Debit (SDD), wobei für Letzteres die Diskussion über den Sinn oder „Unsinn“ noch lange nicht abgeschlossen sein wird. Auf ein verbindliches Enddatum der Parallelphase wartet man weiterhin vergeblich. Der Planungshorizont für eine mögliche Umstellung wird somit nur noch schwieriger oder anders ausgedrückt: Die Firmenkunden sitzen es schlichtweg aus.

Dass dies unter Umständen der falsche Weg ist, zeigen die doch sehr langen Vorlaufzeiten, die ein solches SEPA-Projekt benötigt. So wurden in der deutschen Würth-Gruppe bereits Ende 2006 die ersten Überlegungen eines möglichen Umstellungsszenarios getroffen. Allerdings sind auch heute - zwei Jahre nach Einführung von SEPA SCT - noch längst nicht alle Prozesse umgestellt. Jedoch wurde in diesem Zusammenhang die Chance genutzt, bestehende Prozesse kritisch zu begutachten und durch neue, schlanke, zeitgemäße Abläufe zu ersetzen. Die technischen Möglichkeiten bieten den Corporates heute nahezu alle Möglichkeiten, die Zahlungsverkehrsprozesse in ihre strategischen Abläufe anzupassen bzw. einzubinden.


Probleme bei der Umsetzung
Vielen Unternehmen konnte bisher jedoch kein Mehrwert einer raschen Umsetzung vermittelt werden. Für Firmen, die hauptsächlich im Inland tätig sind, fallen die Argumente nahezu komplett weg. So bewegt sich die Anzahl von SCT-Belegen der deutschen Würth Gruppe Ende 2009 lediglich bei 0,21 % im Vergleich zu 0,06 % im September 2008. Dabei war die Eingangsverarbeitung von elektronischen Kontoauszügen für Corporates wohl das kleinste und einfachste Problem. In diesem Zusammenhang mussten lediglich die externen Geschäftsvorfallcodes den internen Buchungsregeln zugeordnet werden. Selbst die Diskussionen um die reduzierten Verwendungszwecke haben in der Praxis keine größeren Probleme ausgelöst. Lediglich die End-to-End Referenzierung, die in der Theorie eine eindeutige Zuordnung von Zahlungen ermöglichen sollte, dürfte in der Praxis eher nicht genutzt werden.

Deutlich schwieriger dürften die Umstellungen beim ausgehenden Zahlungsverkehr sein, unabhängig davon, ob eine globale strategische Ausrichtung auf ISO 20022 unternehmensintern angestrebt wird bzw. von den jeweiligen Banken überhaupt unterstützt wird. Die Probleme beginnen bereits bei der Pflege der Stammdaten mit BIC und IBAN. Noch heute ist mehr als die Hälfte aller Lieferantenrechnungen nicht mit einer gültigen IBAN versehen. Selbst wenn diese auf den Rechnungsformularen aufgedruckt ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie auch richtig ist. Die Pflege und Wartung der Stammdaten ist und bleibt in der Praxis sehr aufwendig. Mittlerweile werden bereits Hilfswerkzeuge von einzelnen Unternehmen zur Verfügung gestellt, die eine Validierung der Stammsätze ermöglicht – allerdings sind diese (automatischen) Hilfsmittel auf wenige Länder Europas beschränkt. Die Unternehmen kommen nicht umher, die Bankdaten ihrer Geschäftspartner sorgfältiger zu pflegen als bisher.


Wie geht es weiter?
Die Verunsicherung, die zusätzlich durch die Diskussionen von SDD im letzten Jahr hervorgerufen wurde, ist im Umfeld der Corporates groß. Das Argument, viele Kunden werden auf die europäische Lastschrift warten, um im Anschluss eine komplette Umstellung durchzuführen, dürfte im Moment nicht aufgehen. Vielmehr werden die Firmenkunden auch weiter auf ein Signal aus Brüssel warten und erst danach mit der Planung eines SEPA-Projektes beginnen. Bis dahin werden Corporates am bestehenden Zahlungsverkehr nicht viel ändern. Auch die Banken benötigen klare Vorgaben. Dauerhaft können sie es sich nicht leisten, mehrere Systeme parallel zu betreiben.




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