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SWIFT & SEPA aus der täglichen Praxis



Claus Wild administriert SWIFTNet, SAP PI (ehemals XI) als auch SAP FI und liefert mit seinem Blog Berichte zu SWIFT & SEPA direkt aus der Praxis für die Praxis.


Kontakt: [ webmaster@clauswild.de ]




Montag, 18. Januar 2010 - 18:45 Uhr
  Innovation 201x - Der Zahlungsverkehr für Corporates

Zu Beginn eines neuen Jahrzehnts ist es Usus, auf die Errungenschaften, Ereignisse und Gegebenheiten der vergangenen zehn Jahre zurückzublicken. Richtet man dabei das Augenmerk auf den Zahlungsverkehr – insbesondere den paneuropäischen – stellt sich unwillkürlich die Frage nach den Innovationen des letzten Jahrzehnts. Differenziert man den Zahlungsverkehr zwischen Business-to-Business bzw. Business-to-Consumer, wurden lediglich im Bereich B2C signifikante Innovationen im Zahlungsverkehr geschaffen.

Die Entwicklungen im Micropayment wurden in den vergangen Jahren deutlich zu Gunsten des Verbrauchers entwickelt. Durch die wachsende Bedeutung von ebay konnte sich mit PayPal ein System etablieren, welches dem Auftraggeber deutliche Vorteile in seinen Finanztransaktionen ermöglicht. Losgelöst von Formatfragen, technischen Hürden etc., können Geldbewegungen weltweit einfach und schnell ausgelöst werden. Der Empfänger wird via E-Mail über Geldeingänge informiert und kann die Bewegungen auf seinem Konto nachvollziehen. Mittlerweile haben auch Unternehmen die Vorteile dieses Systems erkannt und setzen zunehmend auf diese Möglichkeit des Bezahlens. In Deutschland bieten bereits über 20.000 Händler (Quelle: PayPal) diese Zahlungsart an - vorwiegend allerdings im B2C Bereich; B2B bleibt dabei außen vor. Nutzt ein Corporate dennoch PayPal, fehlt leider eine automatisierte und standardisierte Verbuchungsmöglichkeit im jeweiligen ERP-System.

Mit der rasanten Entwicklung hinsichtlich Funktionalitäten von Smartphones, nimmt auch die Möglichkeit des „Mobile Payment“ immer mehr zu. Kinokarten, U-Bahn Tickets, Parktickets usw. - das Repertoire an Einsatzmöglichkeiten ist in den Augen der Produktmanager nahezu unerschöpflich. Allerdings ist auch in diesem Bereich die Verwendung stark auf B2C eingeschränkt.

Was war mit den Corporates …?
Schaut man auf die Entwicklungen im B2B-Bereich zurück, fällt das Ergebnis eher ernüchternd aus: Die Innovationen im Zahlungsverkehr für Corporates waren eher bescheiden. Blickt man auf die Übertragungsmöglichkeiten zwischen Bank und Corporate, konnte man nahezu keine Innovationen feststellen. In Deutschland war der Standard BCS/FTAM über Jahre hinweg gesetzt. Erst gegen Ende des letzten Jahrzehnts ist mit EBICS Bewegung in den Markt gekommen. Den Corporates wird nun endlich eine standardisierte Möglichkeit angeboten, kostengünstig und schnell den Zahlungsverkehr abzuwickeln – und das halbwegs integriert mit den bestehenden Finanzsystemen. Eine weitere Neuerung war die Einführung von SEPA. Allerdings - sprechen wir dabei von einer wirklichen Innovation? Ist es nicht vielmehr für viele eine von der EU ausgelöste und vom EPC übergestülpte Regulierung, die auf die EG-Verordnung 2560/2001 zurückgeht?

Für die Unternehmen, die grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr abwickeln, liegen die Vorteile der SEPA sicherlich auf der Hand. Für eine Vielzahl an Corporates ergibt sich allerdings überhaupt keine Auswirkung (97 % des gesamten europäischen Zahlungsverkehrs wird auf nationaler Ebene abgewickelt, lediglich 3 % sind grenzüberschreitende Zahlungen; Quelle: Europäische Kommission, Impact 2005). Worin liegt hier die Innovation? Ist es die technische Grundlage, die ihren Ursprung bei ISO 20022 findet? Bei der SEPA eher weniger; diese hat ihren Geltungsbereich lediglich im paneuropäischen Raum, der auf den Geltungsbereich des Euro begrenzt ist. Global betrachtet kommen wir der Definition einer „Innovation“ mit ISO 20022 jedoch schon näher: Der Wunsch und die Notwendigkeit mit einem einzigen Format den Zahlungsverkehr in alle Länder der Welt abzuwickeln, steht bei den zuständigen Finanzverantwortlichen ganz oben auf der Wunschliste. Mit ISO 20022 wird für die Corporates nun die Möglichkeit geschaffen, mit global einheitlichen Formaten Daten auszutauschen. Der Weg dorthin wird allerdings noch lange und beschwerlich sein. Viele Banken sind heute technisch noch nicht in der Lage, diese Anforderungen bzw. Formate umzusetzen. Im Gegenteil: Betrachtet man die schleppende Einführung von SEPA – insbesondere die SEPA Lastschrift (SEPA Direct Debit) – wird es noch lange bis zum Durchbruch dauern.

Globale Formate bedeuten aber noch nicht globale Erreichbarkeit. SWIFT hat im vergangen Jahrzehnt mit der Öffnung von SWIFTNet einiges an Erleichterung geschaffen. Der Zugriff auf dieses globale Netzwerk ist allerdings nur einigen wenigen Unternehmen vorbehalten. Der Weg für KMU´s wird sich in den kommenden Jahren weiter in Richtung SWIFT öffnen. So bietet z. B. die UniCredit Group mit ihrem Produkt „New eBanking“ einen relativ einfachen Weg in das interessante SWIFTNet an. SWIFT selbst geht mit „Alliance Light“ neue Wege, um kleinere Kunden anzubinden. Darüber hinaus bieten mittlerweile zahlreiche Unternehmen ein Connector-Framework zur Anbindung an die unterschiedlichsten Banksysteme an. Mit der Einführung von SAP Bank Communication Management im Jahr 2007, hat die SAP AG als Marktführer der Branche damit begonnen, die Lücke zwischen ERP-System und Bank zu schließen. Finanzprozesse konnten somit integriert und beschleunigt werden. Für viele eine große Erleichterung, die im täglichen Transfer von und zu den Banken zahlreiche Schnittstellen integrieren und pflegen müssen.

Wo werden Innovationen benötigt?
Für alles gilt allerdings: „Wir verwalten mehr oder weniger das Bestehende“. Wo und warum sind weitere Innovationen im Zahlungsverkehr notwendig? Der Prozess eines Zahlungseingangs oder eines Zahlungsausgangs ist in dem Order-to-Cash oder Purchase-to-Pay Kreislauf nur ein kleiner Baustein. Diese haben sich im Zeichen der globalen Finanzkrise jedoch als ein wirkungsvolles Instrument erwiesen. Für zahlreiche Unternehmen galt bzw. gilt es noch immer, dass die Sicherung der Liquidität höchste Priorität besitzt. Während ein Unternehmen die Kennzahl „Days in Payable“ (DIP) durch z. B. geschicktes Verhandeln der Zahlungsziele optimieren kann, wird es bei der Kennzahl „Days Sales Outstanding“ (DSO) schon schwieriger. Um nicht dem Verdrängungswettbewerb Tribut zollen zu müssen, ist eine optimierte und schnelle Prozesskette im Erlösmanagement notwendig. Die zeitnahe und korrekte Verbuchung von Zahlungseingängen ist vielmals die Basis der Kundenstrategie bzw. Auftragsabwicklung. In den vergangen Jahren wurden den Corporates von den großen Softwarelieferanten zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Diese reichen vom Dispute Management über Collection und Credit Management bis hin zum Inhouse Cash. Hilfsmittel, die uns den Zahlungseingang bzw. zeitnahe Informationen zu den Zahlungen liefern, sind allerdings Mangelware. Eines der Schlagworte, die in diesem Zusammenhang immer häufiger auftauchen ist „Real-time“. Zahlungen waren in der Vergangenheit oft zu lange vom Kunden zum Lieferanten unterwegs. Rechnet man Probleme bei der Verbuchung bzw. Klärungsfälle dazu, vergehen teilweise Wochen, bis offene Forderungen vollständig verbucht werden können.

Durch die Richtlinien der SEPA bekommt das Schlagwort „Real-time“ eine andere Bedeutung. Zahlungen müssen in Zukunft deutlich schneller beim Empfänger ankommen. Was bleibt für den Firmenkunden? Er kann mittlerweile die avisierten Zahlungen über SWIFT MT942 in seinem ERP-System verarbeiten. Besitzt der Empfänger ein Kontokorrentkonto, dessen Bank eine „Near-time“ Verbuchung anbietet, kommt er sogar in den Genuss eines vorgezogenen untertägigen SWIFT MT940 Kontoauszug. Im letzten Jahrzehnt wurde man sich über die Unzulänglichkeiten der Finanzströme bewusst und konnte diese auch deutlich verbessern. Gegenüber den physischen Warenbewegungen hinken sie dennoch hinterher. So hielt RFID in der Logistik Einzug - die Warenübergabe zwischen Hersteller und Empfänger wurde somit deutlich einfacher. Die Einsatzmöglichkeiten in diesem Bereich sind noch lange nicht ausgeschöpft. Zahlreiche Speditionen bieten eine Sendungsverfolgung als erweiterten Service an, bei der der Kunde zu jeder Zeit den Lieferstatus seiner Ware abfragen kann. In diesem Fall gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, den Status der eigenen Bestellung bzw. der bestellten Ware abzufragen. Bei offenen Forderungen hingegen sieht es weniger gut aus. Er besitzt außer dem bekannten Zahlungsziel des Lieferanten wenige Informationen über den aktuellen Bearbeitungsstand seiner Forderungen. Informationen über z. B. mögliche Differenzen, die bei der Zahlung zum Abzug kommen oder ob die Rechnungen innerhalb der Skontofrist beglichen werden, erhält der Empfänger nicht. Erste zaghafte Versuche von E-Invoicing – verbunden mit einem Zugriff über Lieferantenportale – scheinen für die Unternehmen langsam interessant zu werden. Die organisatorischen und technischen Hürden für einen Masseneinsatz sind allerdings noch viel zu hoch, als das sich hier in den nächsten Jahren ein Standard etablieren könnte.

Payment Tracking als Standard
Für eine Vielzahl von Unternehmen dürfte der Einblick der Konten beim Kunden allerdings versperrt bleiben. Wie könnte also die Zukunft im Zahlungsverkehr noch aussehen? Wie können Informationen über die Höhe, Verwendungszweck und Ausführung bereits vor dem eigentlichen Zahlungsausgang zum Empfänger gelangen? Würde man in diesem Fall Victor Hugo: “Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist” zitieren, wäre es an der Zeit, über effiziente Payment Tracking Modelle nachzudenken. Diese Modelle könnten z. B. vorsehen, dass bereits bei einem Zahlungsvorschlagslauf die Rechnungsnummern, Beträge sowie das Ausführungsdatum an den Empfänger übermittelt werden könnten. Die Höhe und Inhalt der Zahlung wäre somit weit vor der tatsächlichen Ausführung im Informationskreislauf vorhanden. Der Empfänger wiederum kann Rückschlüsse auf den bevorstehenden Zahlungseingang daraus ziehen und seine Folgeprozesse im Order-to-Cash Kreislauf entsprechend anpassen.

Wie bei vielen Innovationen wird der Erfolg oder Misserfolg über die Komplexität der Anwendung entschieden. Wie komplex könnte eine solche Anwendung aussehen? Vor allem wer würde sich dafür verantwortlich fühlen, die ersten Schritte dahin zu unternehmen? Letztendlich wird für ERP-Lieferanten und Banken kein erkennbarer Mehrwert in ihrem Geschäftsmodell zu erzielen sein. Oder sind es am Ende vielleicht ganz andere Stakeholder, die dieses Modell für sich entdecken? Banal gesehen wäre das Mirkobloggingnetzwerk von Twitter eine einfache Grundlage, kurze Informationen schnell und einfach auszutauschen. Da es wie SEPA Credit Transfer 140 Zeichen unterstützt, sind beide Modelle nahezu optimal aufeinander abgestimmt. Der Nutzen in der Privatwirtschaft als Marketing- und Produktplattform dürfte hier noch lange nicht ausgereizt sein. Ein zusätzlicher innovativer Ansatz Zahlungen zu monitoren, wäre das weitere Zusammenwachsen zwischen PayPal und den ERP-Anbietern. PayPal ist bereits seit längerem mit seinen Dienstleistungen etabliert. Die Komplexität der Anwendung ist gering. Es fehlt lediglich eine vollständige bzw. automatisierte Integration in die gängigen Finanzbuchhaltungssysteme.

Innovationen sind genügend vorhanden. Allerdings müssen sie über diesen Status hinauskommen. Letztlich ist dies eine Frage der Prioritäten.




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