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SEPA


SWIFT & SEPA aus der täglichen Praxis



Claus Wild administriert SWIFTNet, SAP PI (ehemals XI) als auch SAP FI und liefert mit seinem Blog Berichte zu SWIFT & SEPA direkt aus der Praxis für die Praxis.


Kontakt: [ webmaster@clauswild.de ]




Sonntag, 1. November 2009 - 16:56 Uhr
  Wie erfolgreich wird SEPA Direct Debit?

Nun ist es also soweit! Die Payment Service Directive (PSD) wurde zum 01. November 2009 umgesetzt. Parallel zu der neuen Richtlinie wird mit SEPA Direct Debit (SDD) ein weiteres SEPA-Produkt an den Markt gehen. Allerdings lassen die neuen Richtlinien und Werkzeuge der EU im Moment mehr Fragen offen als das sie Klarheiten im Zahlungsverkehr schaffen! In den vergangen Wochen stellte ich im Kollegen- und Bekanntenkreis vermehrt die Frage: „Haben Sie den in den vergangenen Tagen Post von Ihrer Hausbank erhalten?“ Die Antwort war oftmals ein: „Ja, haben wir bekommen!“ Allerdings konnte mir niemand erklären warum die Banken den nun auf einmal die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) versendet haben. Das damit die neuen EU-Richtlinien umgesetzt werden, bzw. was sich dadurch bei den Bankgeschäften alles ändert war an der Stelle völlig unbekannt.

Aigner fordert mehr Verständlichkeit
Diese Unzulänglichkeiten der Formulierungen und Veröffentlichungen sind selbst beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz negativ aufgestoßen. Verbraucherministerin Ilse Aigner nimmt nun die Banken in die Pflicht die Informationen transparenter zu gestalten. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollen die AGB in „klaren und umgangssprachlichem Deutsch formuliert werden“, so Aigner. Die Ministerin weiter: „Die Bankhäuser dürfen sich nicht hinter reinem Juristendeutsch verstecken.“ Eine deutliche Aussage in Richtung der Banken! Wie erfolgreich diese Bestrebungen allerdings in Zukunft sein werden bleibt abzuwarten. Das gleiche gilt in diesem Zusammenhang mit der nächsten Stufe der SEPA - der europäischen Lastschrift SEPA Direct Debit (SDD), die nun ebenfalls zum 01. November 2009 an den Start geht. Kann die SDD erfolgreich werden? Das Bestreben zu einer weiteren Vereinfachung des Zahlungsverkehrs auf Seiten der Corporates ist sicherlich vorhanden. Doch wie sieht die Nachfrage nach einem solchen Instrument aus? Die Umfrage „Ist die neue SEPA-Lastschrift für Sie in Ihrem Unternehmen interessant?“ auf www.clauswild.de hat ergeben, dass gerade 1,7 % der Teilnehmer einen hohen Bedarf oder Nutzen in der SDD sehen. Für 75 % ist die SDD im Moment noch gar kein Thema! Es deutet sich an dieser Stelle wohl ein ähnliches Desinteresse wie beim SEPA Credit Transfer (SCT) an.

Komplexität von SEPA Direct Debit
Die abwartende oder vielleicht teilweise ablehnende Haltung liegt sicherlich in der Komplexität des Verfahrens. Viele dürften die Regelungen und Richtlinien für eine rasche Umsetzung abschrecken, bzw. sind bis heute noch nicht alle Fragen endgültig geklärt (z.B. der Mandatsübergang in Deutschland). Alleine die lose Aufzählung der Merkmale und Regularien wirkt auf den Betrachter zu Beginn eher kontraproduktiv:

- Vergabe einer eindeutigen Mandatsnummer
- Länderspezifische Begünstigtenkennung
- Mandatsdatum
- Kennzeichnung Firmen- oder Basisverfahren
- Kennzeichnung Erst- oder Einmallastschrift bzw. Folgelastschrift
- Optionale Auftraggeberreferenz
- Optionale Transaktionscodes wie z.B. Purpose Codes oder Category Purpose Codes
- “On behalf of” Lastschriften
- Mandatsprüfung
- Widerspruchsrecht
- Nutzung (Definition von Basisverfahren oder Firmenverfahren)
- Ausnahmetransaktionen (Die „7R“: Revocation, Request for Cancellation, Reject, Refusal, Reversal, Refund und Return)
- usw.


Das diese unvollständige Auflistung eher eine abwartende Haltung hervorruft ist leicht nachvollziehbar. Für die Firmenkunden kommt erschwerend dazu, dass sich europaweit noch nicht alle Banken für diesen Service eingeschrieben haben. Verpflichtend ist die Erreichbarkeit aller Banken erst ab November 2010. Somit dürfte es in der Zwischenzeit beim Status einer Pilotanwendung bleiben. Eine weitere Variable stellen die Softwarelieferanten dar. Diese werden im Regelfall die Vorgaben umgesetzt haben. Aber! Wie stabil und zuverlässig diese angesichts der noch offenen Fragen sind bleibt abzuwarten. Die dazugehörige Release-Strategie der Kunden kommt erschwerend dazu. Die Vorteile des europäischen Lastschrifteinzugs sind nicht von der Hand zu weisen! Allerdings benötigt es bis zu einer erfolgreichen Einführung noch eine Menge an Überzeugungsarbeit von allen Beteiligten.




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