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  Probleme beim Boarding bremsen SEPA Flieger

Führende Zahlungsverkehrs-Experten weisen auf weiteren Standardisierungsbedarf an der Kunde-Bank-Schnittstelle hin. „Wohin geht die Reise im einheitlichen europäischen Zahlungsverkehr?“ – diese Frage beschäftigte führende Zahlungsverkehrs-Experten sowohl auf der internationalen Sibos-Konferenz in Wien als auch beim Usermeeting der Zahlungsverkehrs-Spezialisten ABK und EFiS in Dreieich bei Frankfurt. Erklärungen für den bisher eher enttäuschenden Anteil der SEPA-Zahlungen von unter einem Prozent setzten in erster Linie an den unterschiedlichen Datenformaten sowie Kommunikations- und Sicherheitsstandards an der Kunde-Bank-Schnittstelle an.



Am 28. Januar 2008 haben die europäischen Banken den Start für den einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum SEPA (Single Euro Payments Area) freigegeben. Seit diesem Tag können europäische Unternehmen und Verbraucher die SEPA-Überweisung nutzen, die vor allem bei Überweisungen ins Ausland Vorteile wie kürzere Laufzeiten und bessere Möglichkeiten zur Übermittlung von Verwendungszweck-Informationen bietet. Die Akzeptanz der neuen SEPA-Überweisung ist bisher jedoch noch gering. „Weniger als ein Prozent der täglich über 87 Millionen Überweisungen in Deutschland sind SEPAÜberweisungen“, weiß Jürgen Ortmann, Vorstand des Zahlungsverkehrs-Spezialisten EFiS Financial Solutions AG in Dreieich. „Welche Hindernisse auch angesichts des Starts der europäischen SEPA Lastschrift im November 2009 noch auszuräumen sind, war deshalb ein wichtiges Thema auf der Konferenz und Fachmesse Sibos (SWIFT International Banking Operations Seminar), einem der wichtigsten Branchentreffen für Zahlungsverkehrs-Experten.“ Den langsamen Take-off der SEPA-Überweisung wurde von den Experten auf der Sibos auf die Vielzahl beteiligter Interessengruppen zurückgeführt. „Einige auf diesem Flug fragen sich, ob alle an Bord in die gleiche Richtung fliegen“, sagte Geoffroy de Schrevel, Head of EMEA banking initiatives bei SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication). „Manche wissen nicht einmal, ob sie sich in der Business-Klasse oder auf einem Schleudersitz befinden.“



Auf seine Frage, ob sich überhaupt noch ein Pilot an Bord befände, wusste Jean-Michel Godeffroy, Director General of Payments and Market Infrastructures bei der Europäischen Zentralbank, eine klare Antwort: „Ja, es gibt einen Piloten – den European Payments Council. Aber kann der Pilot etwas für das Wetter oder das Fehlen eines Flugplans?“ Michael Steinbach, Vorstandsvorsitzender des Zahlungsverkehrs-Dienstleisters equens ergänzte: „Für einen erfolgreichen Flug braucht man nicht nur einen Piloten, sondern auch einen Kopiloten und Kabinenpersonal.“ Auch bei der SEPA-Umsetzung sei die Mitarbeit der europäischen Zentralbank, der EU-Kommission, der Banken und der Kunden erforderlich, um das avisierte Ziel eines einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums zu erreichen. Welche Herausforderungen von den beteiligten Parteien im Einzelnen noch zu bewältigen sind, erläuterte Dr. Ralf Schopohl vom Informatikzentrum der Sparkassenorganisation (SIZ) anlässlich des Usermeetings von ABK und EFiS in Dreieich. Während die Datenformate für den Austausch von Zahlungen zwischen den Banken vom European Payments Council (EPC) verbindlich vorgeschrieben seien, gäbe es für die Datenformate an der Kunde-Bank-Schnittstelle nur eine Empfehlung des EPC. In der Folge hätte sich in Europa eine Vielzahl von Spezifikationen für die SEPA-Überweisung entwickelt. Allein in Deutschland würden derzeit drei unterschiedliche Varianten des Kunde-Bank-Datenformats verwendet. Eine weitere Schwäche der SEPA-Datenformate seien die fehlenden Textschlüssel, ergänzte Armin Gerhardt vom Finanzsoftware-Unternehmen ABK Systeme. Die Höhe der monatlichen Zahlungseingänge mit dem Textschlüssel 53 (Lohn/Gehalt/Rente) dienten vielen Banken als Anhaltspunkt für die Festlegung der Dispositionskreditlinie ihrer Kunden. Wenn Unternehmen die SEPA-Überweisungen für Gehaltszahlungen nutzten, würden folglich den Mitarbeitern der Unternehmen die Dispo-Kredite gestrichen, weil vermeintlich kein Gehalt mehr eingeht.



Lösungen für diese Probleme stellte Dr. Schopohl für den 1. November 2009 in Aussicht. Zu diesem Zeitpunkt würde eine aktuelle Empfehlung des EPC für das Kunde-Bank-Format von den deutschen Banken umgesetzt. Innerhalb Deutschlands existiert dann nur noch eine Variante des Kunde-Bank-Datenformats für die SEPA-Überweisung, die auch die Verwendung von Textschlüsseln unterstützt. Ob sich auch andere europäische Länder dieser Empfehlung anschließen, ist aber noch ungewiss. In seinem Vortrag wies Dr. Schopohl auch darauf hin, dass selbst eine einheitliche Spezifikation der Kunde-Bank-Datenformate für die Erreichung der SEPA-Ziele nicht ausreichend sei. Zusätzlich würden einheitliche Kommunikations- und Sicherheitsstandards benötigt, um die Zahlungsverkehrs-Dateien an die Banken zu übermitteln. In Deutschland käme hierfür dem einheitlichen Electronic-Banking-Standard EBICS (Electronic Banking Internet Communication Standard) eine wichtige Rolle zu. Die Banken in den übrigen europäischen Ländern setzten auf andere Standards wie ISABEL (Belgien), MBS (Österreich) oder ETeBaC (Frankreich) oder nutzten proprietäre Verfahren für die elektronische Kunde-Bank-Kommunikation. Die deutschen und die französischen Bankenverbände hätten jedoch bereits vereinbart, dass EBICS den bisherigen französischen Standard ETeBaC ablösen solle. Auch andere Länder zeigten zunehmendes Interesse, so dass EBICS zu einem europäischen Standard werden könnte (EBICS = European Banking Internet Communication Standard).



Eine Alternative für größere Firmenkunden stellten Jürgen Haine von ABK Systeme und Hans-Joachim Karras von SWIFT vor. Den Unternehmen sei es mit SWIFTNet FileAct möglich, mit unterschiedlichen Banken weltweit über ein einheitliches Verfahren zu kommunizieren. Bisher nutzten bereits über 350 Großunternehmen weltweit dieses Verfahren. Auch für die französischen Banken stelle SWIFTNet FileAct neben ETeBaC bzw. zukünftig EBICS eine weitere Alternative für die Kunde-Bank-Kommunikation dar. Wer selbst einmal den SEPA-Zahlungsverkehr ausprobieren will, dem bieten die Firmen EFiS Financial Solutions und ABK Systeme gemeinsam mit ibi research an der Universität Regensburg einen kostenlosen Testflug an. Unter http://www.jungfernflug.ibi.de ist das kostenlose Ticket für den SEPA-Testflug erhältlich. „Bitte halten Sie Ihren IBAN und BIC bereit, den Sie für das Einsteigen benötigen. Diese finden Sie auf Ihrem Kontoauszug oder im Online-Banking Ihrer Bank“, werden die Passagiere auf der Homepage hingewiesen. Nach den Sicherheitschecks können dort alle SEPA-Interessierten den Start ihrer SEPAÜberweisung live miterleben, die Ankunft erfolgt einige Tage später auf dem Kontoauszug des angegebenen Kontos. Als kleines Dankeschön für die Bereitstellung des SEPA-Fliegers bitten die Unternehmen die Passagiere lediglich darum, ihre Erfahrungen mit dem SEPA-Flug zurückzumelden. „Sie ermöglichen es uns damit, auch zukünftig strukturierte Auswertungen über den Stand der SEPA-Umsetzung zu erstellen, und tragen damit insgesamt zur Verbesserung des SEPAZahlungsverkehrs bei“ plädiert Thomas Krabichler, Projektleiter bei ibi research, an die Teilnehmer. Um die Rückmeldung möglichst unkompliziert zu gestalten, stellen die Unternehmen einen kurzen Online-Erfassungsbogen bereit, der ebenfalls unter www.jungfernflug.ibi.de verfügbar ist.


Quelle: ibi research an der Universität Regensburg

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